Oh weh, oh weh das Abendland

Chris Nolde

Dauer: 150 Min / mit Pause

S.U.B. Kultur, die Schauspielgruppe der Uni Bonn, zeigt am kommenden Wochenende ihre diesjährige Inszenierung 'O WEH O WEH DAS ABENDLAND' im Kuppelsaal der Thalia-Buchhandlung. Das Stück bildet den Abschluss einer Trilogie zu dem Thema  Arbeit. Das Stück erzählt von einer Schauspielklasse, die das Experiment wagt, sich der Flüchtlingskrise auf der Bühne anzunähern, und dabei von ihrem Regisseur auf Abwege gebracht wird. Während die bisherigen Stücke von Lohnarbeit und dem Wert der Arbeit sowie von Arbeitslosigkeit erzählt haben, durchleuchtet O WEH O WEH die Verbindung von Arbeit und Engagement.

Sind die Menschen auf ihr eigenes Wohl bedacht oder gibt es ein authentisches Streben nach gemeinsamer Arbeit am Projekt Menschheit? - Dieser Frage will die Inszenierung auf den Grund gehen.


Fünf Schüler einer Schauspielklasse haben sich für ihre Abschlussinszenierung etwas Besonderes überlegt: Sie wollen das Schicksal eines Geflüchteten auf der Bühne darstellen, und dieses Thema mit Humor und Leichtigkeit verbinden. Als Regisseur wünschen sie sich ihren langjährigen Lehrer Philipp Zollhaus. Bekannt ist er für sein humanistisches, weltoffenes Theater. Anders als erwartet will er es seinen Schülern aber mit seiner Inszenierung nicht leicht machen. Er hält den Text für flach und selbstgefällig, eine Selbstbeweihräucherung des Bürgertums voller Stereotype. Also verfolgt er einen heimlichen Plan: Er dreht den Kitsch bis ins Unerträgliche, um den Schülern einen Spiegel

vorzuhalten: Ihr Stück sei nichts als banale Feel-Good-Comedy, dem Thema alles andere als gerecht. Der Plan läuft aus dem Ruder, da schon bald nicht mehr klar ist, was Zollhaus wirklich beabsichtigt. Will er die Aufführung gegen die Wand fahren? Beweist er mit seinen Ideen womöglich rechte, reaktionäre Tendenzen? Oder will er die Schüler mit einem gewagten Plan zu einer Einsicht bewegen? Kurz vor Schluss fangen die Schüler an, die Inszenierung zu sabotieren. So entstehen am Premierenabend drei verschiedene Stücke, ein mehr als furioses Finale.

O WEH O WEH DAS ABENDLAND zeigt mit viel schwarzem Humor, wie die Kunst vor einer Thematik wie der sogenannten Flüchtlingskrise nur scheitern kann. Dabei fragt das Stück nach echtem und falschem Engagement, nach Identitätsfindung und Identitätsverlust in der Arbeit, und nach der gefährlichen Sehnsucht nach einfachen Antworten.