März 2020: Das Theater muss schließen, die 'Stage Door' wird eröffnet

Das Jahr 2020 hatte so toll begonnen - mit einem furiosen Auftakt des Beethoven-Festjahres, mit vielen ausverkauften Vorstellungen und einer fünften Stiftersteinwand im JTB, und mit dem Probenstart zu 'Wie im Himmel', der ersten Koproduktion zwischen JTB und Theater Bonn.

Doch ab Anfang März wird spürbar, dass das Corona-Virus auch für die Live-Kultur eine große Gefahr bedeutet, und ab 13. März ist das JTB wie alle Theater zum ersten Mal einige Wochen lang vollständig geschlossen. Alle Pläne sind zunichte gemacht, die Zukunft scheint völlig ungewiss.

Das JTB reagiert innerhalb weniger Tage mit einem ersten Projekt und eröffnet seine digitale 'Stage Door', einen Bereich auf der Homepage des Theaters, in dem Kinder und Jugendliche das JTB, die Menschen, die dort arbeiten und ihre Berufe und Tätigkeiten kennenlernen und sich selbst kreativ an der Theaterarbeit beteiligen können. 

Frühjahr 2020: Eine überwältigende Welle der Unterstützung

Schon dieser erste Lockdown löst eine unvorstellbare und überwältigende Welle der Solidarität und Unterstützung aus. Die Deutsche Telekom hat bei Ausbruch der Krise den Sponsoringvertrag für das JTB nicht nur verlängert, sondern sogar noch erweitert. Viele weitere Unternehmen unterstützen das JTB, unzählige Privatpersonen spenden für das JTB oder sammeln Spenden zu seinen Gunsten. Auch Institutionen engagieren sich für den Erhalt des JTB, insbesondere die Stadt Bonn, die einen Solidaritätsfonds für die Kultur aufstellt, und das Land NRW, das dem JTB ebenfalls mit zusätzlichen Fördermitteln hilft.

Juli 2020: Der BonnLive Kulturgarten wird eröffnet

Über die Zusammenarbeit an den Autokonzerten mit BonnLIve entsteht auch die Idee, die Planungen für eine Freilichtbühne im Sommer gemeinsam fortzusetzen. Ab 16. Juli finden im 'Kulturgarten' in der Bonner Rheinaue dann fast täglich bis Mitte September Konzerte und Veranstaltungen statt, und das JTB spielt dort an allen Wochenenden nachmittags, insgesamt rund 20 Vorstellungen seiner Stücke vor insgesamt fast 8.000 Besuchern.

September 2020: Das erste virtuelle Theaterstück des JTB wird im Telekom-Forum uraufgeführt

Schon Ende März hat sich im Rahmen der 'Stage Door' eine Gruppe Kinder und Jugendlicher zusammengefunden, die gemeinsam mit JTB-Intendant Moritz Seibert ein Theaterstück entwickelt, das auch gespielt werden kann, wenn weder Schauspieler noch Besucher ins Theater kommen dürfen. Innerhalb weniger Wochen ist in dieser Gruppe die Geschichte für das erste vollständig virtuelle Theaterstück des JTB entstanden, das zugleich auch der wichtigste Beitrag des JTB zum Beethoven-Festjahr wird: 'TKKG - Gefangen in der Vergangenheit'.

Ein Kriminalfall führt das berühmte Ermittler-Qurartett in die virtuelle Welt eines Online-Rollenspiels und in das Jahr 1786 nach Bonn, wo der junge Ludwig van Beethoven lebt ... Der Lizenzgeber SONY Music, unser Sponsor Telekom und die BTHVN Jubiläums GmbH als Förderer stimmen dem neuen Projekt sofort zu, so dass im Juli die Proben beginnen und am 5. September die Uraufführung stattfinden kann.

TimeRide Köln gestaltet und programmiert das virtuelle Bühnenbild, Peach&Cherry Film steuert die Netzwerk- und Streamingtechnik bei, MagentaTV sendet die ersten beiden Vorstellungen exklusiv für seine Abonnenten. Stargeigerin Anne-Sophie Mutter und der bekannte Schauspieler Simon Böer unterstützen mit Gastauftritten das Projekt und das JTB.

Rund 40.000 Zuschauer sehen die neun Vorstellungen bis 13. September. Publikum, Presse und viele Repräsentanten der Beethoven-Institutionen wie Dirk Kaftan und Malte Boecker sind begeistert von dem Stück und dem innovativen Format.    

Dezember 2020: Das JTB bleibt weiter geschlossen, spielt aber digital

Rund 20.000 Zuschauer besuchen in einem normalen Jahr im Dezember eine der Vorstellungen im JTB - in diesem Jahr ist es kein einziger, jedenfalls nicht im Theater. Das JTB-Team entscheidet, das Theater in diesem Jahr besonders festlich zu schmücken und erstrahlen zu lassen. Neben der Fassade werden auch die Fenster im Erdgeschoss als Beitrag zur Initiative 'Beueler Adventsfenster' liebevoll weihnachtlich gestaltet.

Die TheaterpädagogInnen des JTB haben einen Adventskalender voller Geschichten geschaffen, und seit 16. Dezember finden täglich Vorstellungen im Rahmen des digitalen Adventsspielplans mit Vorstellungen von 'TKKG - Gefangen in der Vergangenheit', 'Michel aus Lönneberga' und 'Geheime Freunde' statt.

Die überwältigende Hilfsbereitschaft hält bis zum Jahresende an, und das Gesamt-Spendenaufkommen in diesem Jahr übersteigt im Dezember die 100.000-Euro-Marke. Aus den Projekten 'Virtual Theater' und 'Kulturgarten' entwickelten sich neue Partnerschaften und Freundschaften sowie weitere Projekte, die in die Zukunft und weit über das Ende der Krise hinaus weisen.

Mai 2020: Die BonnLive Autokonzerte am Westwerk starten

Mitte Mai, kaum acht Wochen nach Ausbruch der Krise, findet das erste von über sechzig Autokonzerten am Westwerk statt. Die Bonner Unternehmen FünfDrei Eventagentur (Green Juice) und RheinEvents (Panama OpenAir) haben sich zu BonnLive zusammengeschlossen und diese ungewöhnlichste aller Veranstaltungsstätten in Rekordzeit aus dem Boden gestampft.

Am 24. Mai spielt das JTB dort erstmalig den 'Grüffelo', zugleich ist das eine der ersten Theateraufführungen in NRW seit dem Lockdown. Weitere Vorstellungen vor vielen Autos und noch mehr begeisterten und dankbaren Zuschauern folgen in den kommenden Wochen. 

Juni 2020: Mit 'JTB@School' bieten wir Vorstellungen in Schulen und Kitas an

Schon vor den Ferien ist absehbar, dass die Kitas und Schulen im Herbst möglicherweise nicht wie in anderen Jahren ins JTB kommen können. Also legt das JTB das Programm 'JTB@School' auf und stellt dazu eine Vielzahl von Stücken und Inszenierungen zusammen, die in Kitas und Schulen - im Klassenzimmer, in der Turnhalle oder der Aula - gespielt werden können.

Im Herbst wird das Angebot weiter ausgebaut und umfasst derzeit rund zwanzig verschiedene Stücke für alle Altersgruppen und zu den verschiedensten Themen, darunter ganz neu die Klassenzimmer-Fassungen von 'Pippi Langstrumpf' und 'Das Sams'.

August 2020: 'Das Dschungelbuch' wird die erste Open-Air-Premiere in der Geschichte des JTB

Als Anfang Juni die Entscheidung für den Kulturgarten fällt, krempelt das JTB  sämtliche Pläne um und zieht das ursprünglich für November geplante 'Dschungelbuch' vor, um es als erste Open-Air-Premiere in der Geschichte des Theaters herauszubringen. Am 8. August findet die Premiere im BonnLive Kulturgarten statt - bei wahrlich tropischen Temperaturen um 38 Grad.

Oktober 2020: 'Jim Knopf' feiert kurz vor dem zweiten Lockdown Premiere

Anfang Oktober sieht es noch so aus, als könnte im Herbst ein halbwegs normaler Spielbetrieb in den Theatern stattfinden. Die im Frühjahr unterbrochenen Proben zu 'Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer' werden fortgesetzt, doch als am 24. und 25.10. die Premieren stattfinden, dürfen schon nur noch rund hundert Besucher die Vorstellungen besuchen. So hat 'Jim Knopf' zwar gerade noch Premiere, doch bisher haben erst rund 500 Besucher die Inszenierung gesehen.

Parallel zu den Premierenvorbereitungen haben die Proben für die Uraufführung von  'Die Schule der magischen Tiere' und 'Die weiße Rose - Die letzten Tage der Sophie Scholl' begonnen. Die für November bzw. Januar geplanten Premieren sind derzeit auf unbestimmte Zeit verschoben.

November 2020: Zweiter Lockdown und zwei wichtige Auszeichnungen

Schon im Juli hat die namhaft besetzte Jury des Unternehmenswettbewerbs 'NRW - Wirtschaft im Wandel' das JTB zum Gewinner des Wettbewerbs in der Kategorie 'Kleine Unternehmen' erklärt. Der von Rheinische Post und General-Anzeiger mit veranstaltete Wettbewerb zeichnet Unternehmen aus, "die sich mutig der Zukunft stellen und dabei Vorbild für andere sind".

Die Preisverleihung Ende Oktober musste abgesagt werden. NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart hat dann am 17. November in einer Feierstunde auf 'Zoom' die Preisträger ausgezeichnet und das JTB "für den Mut, das große Engagement und die überzeugenden Ideen im Umgang mit dem Wandel" gelobt.

Zuvor hatte schon OB Ashok Sridharan stellvertretend für den Stiftungsvorstand den 'Proskenion Nachwuchsförderpreis' an JTB-Intendant Moritz Seibert überreicht, mit dem die Stiftung alle zwei Jahre ein herausragendes Projekt der kulturellen Nachwuchsförderung im deutschsprachigen Raum auszeichnet.

Und so überwiegt am Ende dieses schwierigen, verrückten Jahres trotz vieler schmerzhafter, manchmal sehr trauriger Momente die Dankbarkeit -

Dankbarkeit für all die viele Unterstützung von Menschen, Unternehmen und Institutionen, für die vielen neuen und alten Freundschaften, die gewachsen oder enger geworden sind, und für all die vielen Projekte, die dadurch erst möglich wurden.

Und Dankbarkeit dafür, dass wir all das geschaffen haben, für das beste Publikum der Welt, und ebenso für das beste Team und Ensemble der Welt, die all das gestemmt haben und die sich von der Ungewissheit umd den negativen Ereignissen und Momenten nie davon abhalten ließen, mit aller Kraft so viel und so gut Theater wie nur möglich zu machen.

Also Dankbarkeit dafür, dass wir voller Hoffnung und Optimismus in die Zukunft schauen können, auch wenn wir wissen, dass die schwierigste Phase dieser Krise noch vor uns liegt.
Herzlichen Dank für alles!

 

 


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und viele, viele weitere Menschen und Unternehmen, die uns mit Spenden unterstützt haben.